2015/16 Aneignung

“Nothing is original. Steal from anywhere that resonates with inspiration or fuels your imagination. Devour old films, new films, music, books, paintings, photographs, poems, dreams, random conversations, architecture, bridges, street signs, trees, clouds, bodies of water, light and shadows. Select only things to steal from that speak directly to your soul. If you do this, your work (and theft) will be authentic. Authenticity is invaluable; originality is non-existent. And don’t bother concealing your thievery – celebrate it if you feel like it. In any case, always remember what Jean-Luc Godard said: “It’s not where you take things from – it’s where you take them to.“
Jim Jarmusch [MovieMaker Magazine #53 – Winter, January 22, 2004]

Abstract:

In allen künstlerischen Disziplinen und zu jeder Epoche der Kunstgeschichte war und ist die Kopie, die Replikation, die Reinterpretation, die Reinszenierung, die Simulation, die Referenz, das Zitat, das Plagiat – kurz – die Aneignung bereits existierender Werke oder Werkteile, zur Schaffung eines neuen eigenständigen Werks, künstlerische Praxis und Tradition. Ausgehend von der Annahme, dass es den Diebstahl in der Kunst nicht geben kann, da alle künstlerische Arbeit durch Appropriation von Elementen vergangener Kunstwerke besteht, verneint diese Auffassung von Aneignung die Existenz des geistigen Eigentums. Mit der Wahl des Jahresthemas Aneignung sollen fundamentale Kategorien des Kunstschaffens, wie etwa die der Autorschaft, der Originalität und des geistigen Eigentums hinterfragt und theoretisch wie praktisch erforscht werden.

Thema:

Römische Bildhauer schufen fast ausschließlich Kopien von antiken griechischen Skulpturen,

Rennaissancekünstler die sich griechisches und arabisches Wissens angeeignet haben, ließen in ihren Malschulen Kopien eigener Werke anfertigen, oder deren einzelne Teile zu neuen Werken kombinieren, und sind damit sowohl die Vorläufer Dadaistischer Collagen und Objets Trouvés, des Readymades, der Pop Art und der amerikanischen Appropiation Art der 70er Jahre, sowie der Postmoderne in allen Sparten der Kunst.

Zueignungen und Aneignung in der klassischen Musik sind die Vorläufer von Sampling, Remix und Turntablism in gegenwärtigen musikalischen Strömungen, mittelalterliche Passionsspiele und Tableau Vivants des Fin de Siècle die Vorfahren zeitgenössischer Reenactments in Performance Art und im Theater.

Vor allem aber im Lauf der Entwicklungsgeschichte optisch akustischer Medien, spielt die Aneignung als eigenständige visuelle Kunst eine Schlüsselrolle. Die allen zeitbasierten Medien inhärente Qualität der technischen Reproduzierbarkeit, des Transformierens von dreidimensionalen Objekten in zweidimensionale Abbilder, der Schaffung von virtuellen Gegenwelten durch Zusammenfügung und Bedeutungsumwandlung, macht die Aneignung zum Basiselement allen künstlerischen, optisch akustischen Schaffens.

Bereits die Urahnen aller optischen Medien, die Camera Obscura, das chinesischen Schattentheater, die Laterna Magica, waren Instrumentarien der Aneignung und Umwandlung, im Dienste der Kunst, der Politik, der Religion, der Unterhaltung. Mit Fotografie und Film wurden Kulturtechniken geschaffen, die den kreativen Prozess der Reproduktion, der Aneignung, allgemein zugänglich machten, und als Massenmedien unendliche Möglichkeiten der Repräsentation boten.

Gastprofessor Gustav Deutsch


Jahrespräsentation 2015/16

„Aneignung“

 

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